Interview mit Jan Pommer
Am 11.12.2007 durften wir unter den Zuschauern beim Spiel der DEUTSCHE BANK SYKLINERS gegen Pamesa Valencia den Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga (BBL) Jan Pommer begrüßen. Vor dem Tip-Off nahm er sich ausreichend Zeit für ein interessantes Interview.
In der Printausgabe des Tip-Off (Ausgabe 4 - Saison 07/08) war leider zu wenig Platz, um alle Antworten abzudrucken - hier nun das vollständige Interview:
Hallo Herr Pommer, wir freuen uns, Sie heute in der Ballsporthalle begrüssen zu dürfen. Haben Sie überhaupt Zeit, sich viele BBL-Spiele anzuschauen?
Ja natürlich. Das gehört ja zu meinem Job dazu, sich vor Ort kundig zu machen, zu sehen, wie die Stimmung ist und den direkten Kontakt zu pflegen. Abgesehen davon macht es auch Spaß und bereichert mich. Ich bin jede Woche mindestens bei einem Spiel in einer Halle, primär natürlich bei der BBL aber auch mal zu einem Spiel der 2. Liga, einem Pokalspiel oder einer europäischen Begegnung. Ich versuche, jede Saison bei jedem Club mindestens einmal gewesen zu sein. Dazu kommen noch Pflichttermine wie die Pokalauslosung oder die Play-Offs, bei denen ich dabei sein muss. Die näher gelegenen Standorte besuche ich häufiger.
Wie sind sie überhaupt zu ihrem Job gekommen, wie hat sich das ergeben?
Für die Frage bin ich ein wenig der falsche Adressat. Das haben natürlich andere Leute ausgesucht. Ich war schon immer an Basketball interessiert und habe früher selbst gespielt, wenn auch nicht so gut, dass man dafür Geld hätte nehmen können. Schon im Vorfeld hatte ich durch meine Tätigkeit bei einer Agentur, die ein großes Basketball-Engagement – das der Deutschen Bahn – betreut hat, Kontakt zu den meisten Managern und kannte die Liga relativ gut. Es gab von der BBL den Wunsch, nach Otto Reintjes jemanden einzustellen, der eher aus der "Wirtschaft" kommt.
Warum haben Sie sich dann dafür entschieden?
Ich glaube, dass dies ein sehr vielfältiger Job ist, bei dem man einiges bewegen und gestalten kann. Das ist eine ganz tolle Sache.
Wie stellt sich ihre Aufgabe jetzt in der Realität dar, was gehört alles dazu?
Zunächst kümmere ich mich um die Organisation des gesamten Spielbetriebes, dazu gehören die Spielfestsetzungen, die Schiedsrichterauswahl und alle damit verbundenen administrativen Tätigkeiten. Es geht auch um die Kommunikation, um die Liga in die verschiedenen Öffentlichkeiten zu tragen, und um die Vermarktung der Liga, um die Organisation der verschiedenen Veranstaltungen wie z.B. den Allstar Day, und auch darum, BBL-Sport-Politik herzustellen, dafür zu sorgen, dass die Vereine bei bestimmten Themen gewisse Strategien verfolgen und einen gemeinsamen Willen bilden und diesen dann auch strategisch langfristig verfolgen. Es ist schon ein großes und aufwändiges Unterfangen, den Kontakt zu halten zu den Sportjournalisten, zum Verband, zur 2. Liga usw. und überall das bestmögliche Ergebnis für die BBL zu erzielen.
Dies ist eine sehr vielfältige Geschichte und mit meinem anfänglichen Eindruck, das könnte spannend werden, hatte ich recht.
Und jetzt hat jeder Arbeitstag 24 Stunden?
Es ist natürlich sehr viel Arbeit, vor allem am Wochenende. Man muss das schon mit Herzblut machen, sonst wird das nichts.
Eines Ihrer großen Babies ist die Einführung der Einteilung der 2. Liga in Pro A und Pro B.
Das ist ein ganz wichtiges Anliegen der BBL gewesen. Entschieden hat das letztlich die 2. Liga selbst. Für uns war aber wichtig, dass wir unterhalb von uns einen wirtschaftlich und sportlich schlagkräftigen Wettbewerb haben, der bedeutet, dass man eben auch mal absteigen kann, dass ein Abstieg nicht gleich Absturz bedeutet.
Thema Quote für deutsche Spieler: Wenn man sieht, dass sich in der Pro A Nürnberg mit fast auschließlich deutschen Spielern sehr schwer tut, während Cuxhaven mit überwiegend 5 Amerikanern antritt…war das abzusehen? Wie beurteilen sie diese Situation?
Nun, einerseits muss man dafür sorgen, dass jeder spielen kann, der will, und dass es keine künstlichen Beschränkungen gibt. Andererseits muss man dafür sorgen, dass im Interesse einer Weiterverbreitung des Sports und eines hochwertigen Nachwach-sens von Nationalspielern auch etwas für die deutschen Jungs getan wird. Ich denke, das ist ein langfristiger Prozess, jetzt ein Zwischenfazit zu ziehen, traue ich mir nicht zu.
Es gibt viele Auflagen in der Pro A, zum Beispiel das Zulassen von nur speziellen Sirenen, ein vorgeschriebener VIP-Bereich und viele andere Kleinigkeiten, die zu Etat und Hallengröße dazu kommen. Dies scheint für einige Vereine sehr schwierig zu sein. Gibt es da schon ein Feedback?
Diese Standards sind Bestandteile eines Vertrages, den wir mit der 2. Liga abgeschlossen haben, dementsprechend sind diese wichtig und auch einzuhalten. Im Grundsatz entscheidet diese Regeln aber die zweite Liga selbständig. Wir wissen natürlich, dass wir in der ersten und vielleicht auch noch in der zweiten Saison hier und da Abstriche machen müssen. Das Entscheidende ist jedoch, dass man sich überhaupt mit Überzeugung zu solchen Standards bekennt und dafür sorgt, dass sie Stück für Stück angehoben werden. Dies ist jedoch ein Prozess, an dem jeder, der will, erfolgreich teilnehmen kann.
























